Immobilien unter Wasser
Wenn der Wert eines Hauses unter das Niveau der Hypothek sinkt, wird es als “Unterwasser”-Immobilie bezeichnet. Vor allem in den USA stehen derzeit zahlreiche Hausbesitzer vor diesem gravierenden Problem.
Die weltweite Wirtschaftskrise, die unter anderem durch das Platzen der in den letzten Jahren aufgeblähten Immobilienblase in den Vereinigten Staaten von Amerika verursacht wurde, hat viele Hausbesitzer dort vor existenzielle Komplikationen gestellt. Viele erwarben ihr Haus während der wirtschaftlich guten Zeiten, die Mitte des Jahrzehnts noch herrschten. Meist konnten die ersten Ratenzahlungen zwar noch vollzogen werden, aber mittlerweile ist der Markt überschwemmt mit Häusern und vor allen Dingen solchen, die wegen der vielerorts ausbleibenden Tilgungen der Käufer zwangsversteigert wurden und werden müssen. Der Wert vieler Immobilien, auch von Neubauten, ist gleichzeitig seit Beginn der Krise massiv auf breiter Front eingebrochen – durchschnittlich um 22 Prozent seit 2006. Alle amerikanischen Häuser zusammen haben insgesamt 700 Milliarden Euro an Wert eingebüßt.
Kein Land in Sicht
Da viele der neuen Häuser noch lange nicht abbezahlt sind, liegen die aufgenommene Hypotheken oft höher als der eigentliche Wert des Hauses. Das Immobilien-Onlineportal Zillow aus Seattle berichtet, das derzeit ganze 20 Prozent der US-Hausbesitzer solche “underwater”-Immobilien besitzen. Der Verkauf solcher Häuser gestaltet sich angesichts der momentanen Situation schwer bis unmöglich, selbst unter Wert lassen sie sich solche Geschäfte aufgrund der Sättigung des Marktes wegen der vielen Zwangsversteigerungen kaum durchführen. Wie die Tageszeitung “Neues Deutschland” berichtet, wurden allein im April 342.000 Anträge auf Zwangsversteigerung gestellt, 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Und der Trend werde sich vermutlich fortsetzen, sagen Experten. Die Talsohle sei noch lange nicht erreicht. Die traurige Prognose: 2,1 Millionen Amerikaner werden in diesem Jahr ihr Haus verlieren.
Ineffiziente Rettungsversuche
Die US-Regierung hat zwar bereits diverse Hilfestellungen für die gebeutelten Hausbesitzer ihres Landes sowie auch speziell für die “versunkenen” Immobilien bereitgestellt. In diesem Rahmen sind auch Notverkäufe möglich, durch die der Hypothekengeber auf Wunsch des Eigentümers eine Immobilie ohne Zwangsversteigerung unter Wert übernehmen kann. US-Präsident Obama erklärte, dadurch würden die Hausbesitzerzumindest überhaupt etwas für eine Immobilie bekommen, die sie normalerweise nicht hätten verkaufen können. Kritisiert wird an diesem Plan jedoch die unübersichtliche und bürokratisch zu komplizierte Umsetzung. Viele der betroffenen Hausbesitzer können die notwendigen Vorbedingungen nicht erfüllen oder würden sich im Dschungel amtlicher Bestimmungen nicht zurecht finden, meinen Verbraucherschützer.
Professor Alan M. White von der Universität von Indiana sagte der Zeitung “Neues Deutschland”: »Wir haben eine Schuldenkrise und die Hypotheken sind das Zentrum. Um herauszukommen, müssen wir die Schulden abbauen. Und das geschieht nicht wirklich.«
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